Informationen zum Fach Latein

Salvete, pueri et puellae, salvete parentes!

Seid gegrüßt, Jungen und Mädchen, seid gegrüßt, Eltern!


 

Salvete, pueri et puellae! – Seid gegrüßt, Jungen und Mädchen!

Mit dieser Begrüßung beginnt nicht nur diese Vorstellung des Fachs Latein, sondern auch jede Lateinstunde am Gymnasium Rhauderfehn. Unterrichtet wird es von derzeit 8 Lehrkräften in derzeit 13 Klassen/Kursen, von Klasse 6 bis hin zu den Oberstufenkursen in den Klassen 11 und 12.

Der Lateinunterricht unterscheidet sich von dem in den modernen Fremdsprachen schon allein dadurch, dass wir im Unterricht Deutsch miteinander sprechen (trotz der lateinischen Begrüßung) – das heißt, wir lernen nicht, uns auf Latein zu unterhalten, sondern vor allem lateinische Texte ins Deutsche zu übersetzen.

Ein bisschen Latein sprechen wir aber natürlich zwischendurch auch einmal. Die Aussprache ist sehr einfach: Von wenigen, leicht zu merkenden Regeln abgesehen („v“ wird z.B. wie „w“ ausgesprochen, also „Salwete“) spricht man Latein so, wie es geschrieben wird.

Latein als 2. Fremdsprache?

Wenn du…

  • dich für Sprachen interessierst und auch dafür, wie eine Sprache eigentlich aufgebaut ist und „funktioniert“
  • dich einigermaßen fit in der Grammatik fühlst, die du im Deutschunterricht der Grundschule gelernt hast (z.B. Wortarten erkennen, Satzglieder bestimmen)
  • Ausdauer hast und „Knobelaufgaben“ magst
  • Interesse an Geschichte und Alltag der Römer hast
  • Interesse an der Welt der griechischen und römischen Sagen hast

dann ist Latein für dich die richtige Wahl.

Und es gibt viele gute Gründe, Latein zu lernen:

Mutter Latein und ihre Töchter

Latein ist Muttersprache der romanischen Sprachen (Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Französisch, Rumänisch). Wenn du Latein kannst, kannst du auf dieser Grundlage also viele europäische Fremdsprachen lernen. Auch ca. 60% der englischen Wörter haben ihren Ursprung im Lateinischen, ebenso viele deutsche Wörter.

Latein Italienisch Spanisch Französisch Englisch Deutsch
vinum il vino el vino le vin the wine Wein
humanitas l´ umanità la humanidad l´ humanité humanity Menschlichkeit
vivus vivo vivo vif, vive vivid lebendig

Insula heißt Insel, fenestra heißt Fenster…

Viele Lehn- und Fremdwörter (im Deutschen und im Englischen) stammen aus dem Lateinischen. Mit Latein kannst du daher auch Fremdwörter schnell verstehen und erfährst viel Interessantes über die Herkunft und Geschichte verschiedener Wörter.

Technik Computer   computare: rechnen Video   videre: sehen
Gesellschaft Demonstration   demonstrare: zeigen sozial   socius: der Kamerad
Namen Beate   beatus: glücklich Felix   felix: glücklich
Recht Jurist   ius: das Recht legal   lex: das Gesetz

Latein – welche Fähigkeiten werden da trainiert?

Lateinlernen vermittelt und fördert Schlüsselqualifikationen wie Konzentrationsfähigkeit und problemlösendes Denken. Im Lateinunterricht erwirbst du unter anderem…

  • die Fähigkeit, fremde Texte zu erschließen und zu verstehen – diese Fähigkeit hilft dir nicht nur bei lateinischen, sondern auch bei deutschen oder englischen Texten.
    Eine Studie an der Universität in Köln aus dem Jahr 2004 hat z.B. ergeben, dass Studierende, die in der Schule Latein gelernt hatten, auch deutsche Texte besser verstehen konnten.
  • den Aufbau und das System einer Sprache zu durchschauen – wie funktioniert eigentlich eine Sprache? Auch das ist für andere Sprachen nützlich. Vieles, was du im Lateinunterricht über Grammatik lernst, wird dir auch im Deutschunterricht helfen – und umgekehrt.
    Du wirst feststellen, dass du einiges an Grammatik schon kannst: Du kannst deine Vorkenntnisse aus dem Deutschunterricht der Grundschule nutzen (z. B. Singular und Plural unterscheiden oder Subjekt und Prädikat finden).
  • dich auch im Deutschen besser auszudrücken, denn der Umfang deines deutschen Wortschatzes wird sich erweitern und du übst beim Übersetzen automatisch, diese Wörter sorgfältig und passend anzuwenden.

Latein – eine spannende Zeitreise!

Die Wurzeln der europäischen Kultur liegen in Griechenland und Rom. Dich erwartet eine Zeitreise in die Welt der Antike – du begegnest Gedanken und Ideen, die über Jahrhunderte bis in unsere Zeit Europa geprägt haben. Von der Politik über das Recht bis zum Straßenbau und zur Architektur – römische Ideen und Erfindungen begegnen uns überall. Wusstest du, dass die Römer z.B. den Zement erfunden haben? Oder dass sich das erste Pizza-Rezept in einem lateinischen Buch über Landwirtschaft findet? (Allerdings ohne Tomatensoße, denn Tomaten gab es zu dieser Zeit in Europa noch nicht…)

Auf der Zeitreise erfährst du unter anderem auch, welche Kleidung die Römer trugen, wie ihre Häuser aussahen, was sie aßen oder wie es in der Schule vor über 2000 Jahren zuging. Du begegnest dabei beispielsweise römischen Soldaten (den Legionären, die du vielleicht aus den Asterix-Hefen kennst), Wagenlenkern (den Rennfahrern  der Antike) und Gladiatoren.

Von Göttern und Helden, von Liebe und Macht… – Themen für jede(n)

In der lateinischen Literatur gibt es eine große Auswahl interessanter Themen:

  • Die Geschichtsschreiber Livius und Sallust berichten z.B. von der Entstehung und dem Fall des römischen Weltreichs.
  • Die Dichter Catull und Ovid durchleben in ihren Gedichten alle Höhen und Tiefen der Liebe.
  • Caesar liefert uns Diskussionsstoff über das Streben nach Macht.
  • Die Philosophen Cicero und Seneca rufen uns dazu auf, über die Grundprobleme des Lebens Gedanken zu machen – wie verbringe ich beispielsweise meine Zeit? Wie wichtig sind Freunde? Wie sollen wir leben?
  • Natürlich werden auch die sagenumwobenen Götter – wie Zeus (lateinisch Jupiter) oder Poseidon (lateinisch Neptun) – und Helden – wie Herkules oder Aeneas – nicht fehlen.
  • Das Spektrum der Themen reicht bis hin zu den antiken Kochbüchern des Apicius. Ein einfaches Rezept daraus lautet zum Beispiel:
    • Dulcia domestica (Süßspeise)
      • Palmulas vel dactylos excepto semine nuce vel nucleis vel piper tritum infercies. Sales foris contingis, frigis in melle cocto et inferes. –
      • Fülle große oder normale Datteln ohne Kern mit Nüssen oder Pinienkernen oder gemahlenem Pfeffer. Bestreue sie außen mit Salz, brate sie in gekochtem Honig und serviere sie.

Latein als Studienvoraussetzung

Wer Latein gelernt hat, erhält am Ende mit seinem Zeugnis eine Art Bescheinigung darüber, das so genannte „Latinum“. Das Kleine Latinum bekommt man nach der 9. Klasse, das Latinum nach der 10. Klasse und das Große Latinum nach der 12. Klasse. Die Schülerin bzw. der Schüler bekommt also sozusagen schwarz auf weiß bescheinigt, dass er im Lateinunterricht wichtige Fähigkeiten und Kenntnisse erworben hat, die eine Voraussetzung für ein erfolgreiches Studium sind.

Um einige Fächer studieren zu dürfen, muss man das Latinum (oder Lateinkenntnisse) vorweisen können. Das gilt zum Beispiel für viele Sprachen, Geschichte, Theologie, zum Teil auch für Medizin und Rechtswissenschaften. Man kann sich einigen Aufwand ersparen, wenn man Latein schon in Schule lernt und es nicht an der Universität parallel zum Studienbeginn in ziemlich kurzer Zeit nachholen muss.

Und nicht zuletzt: Latein macht Spaß!

Dich erwarten interessante Themen und neben den Übersetzungen abwechslungsreiche Aufgaben, es werden z.B. auch mal Comics gezeichnet, Szenen geschrieben oder Vokabelfußball gespielt.

Te gaudemus! – Wir freuen uns auf dich!